Geschichte
Viele Bodenfunde aus der Jungsteinzeit beweisen, dass die Gemarkung Okriftel an der Mündung des Schwarzbachs in den Main schon vor ca. 6.000 Jahren ein bevorzugtes Siedlungsgebiet gewesen ist. Beide Gewässer wurden seit jeher als natürliche Verkehrswege genutzt und ihr Fischreichtum als willkommene Nahrungsquelle geschätzt. Zahlreiche Funde aus der Bronze- und Eisenzeit sowie die Entdeckung einer „villa rustica“ (Bauernhof) aus der Römerzeit und der 1954 bei Bauarbeiten gefundene merowingische Friedhof (500 n. Chr.) zeugen von einer ununterbrochenen Besiedlung des Ortes.

Grabungsfund
Ev. Matthäuskirche
Brunnen am Kirchplatz
Kath. Kirche
Main-Fähre
Alte Eiche am Dalles
Beamtenhaus
Rathaus Okriftel
Luftbild aus den 90-er Jahren


Ersterwähnung 1103

Die Entstehung des Ortes an der Auenterrasse des Mains wird im 3./4. Jahrhundert angenommen. In einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1103 wird Okriftel zum ersten Mal schriftlich genannt. Walpurga aus „Acruftele“ hatte ihren Eigenbesitz, bestehend aus zwei Mühlen, einem Schiff und Ländereien, dem Kloster St. Jakob bei Mainz übertragen. Die im Jahr 1184 urkundlich erwähnte Kirche in Okriftel war bis 1313 gleichzeitig die Mutterkirche Hattersheims. Allerdings galt auch nach der Trennung der Kirchen eine Zehntverpflichtung Hattersheims an die Okrifteler Kirche. 1595 erfolgte die endgültige Loslösung der Hattersheimer Gemeinde.
[ Foto: Grabungsfund vom Merowingerfriedhof nördlich der Sindlinger Straße, Foto W. Gräßler ]



Isenburger Herrschaft

Eine einschneidende Veränderung für Okriftel stellte die Übernahme der Gerichtsbarkeit durch die Grafen von Isenburg im Jahr 1478 dar; 1560 übernahmen sie auch die Landesherrschaft. Die Dorfbewohner mussten 1545 den lutherischen und 1596 den calvinistischen Glauben ihrer Landesherren annehmen. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts blieb Okriftel eine überwiegend evangelische Gemeinde. Dies unterschied sie von Hattersheim. Dort waren die Einwohner schon bald nach der Reformationsbewegung zu Beginn des 17. Jahrhunderts wieder zum katholischen Glauben zurückgekehrt. 1817 hatten sich in Nassau die reformierten und lutherischen Glaubensgemeinschaften vereinigt. 1809 wurde auf Initiative des Mitglieds der Frankfurter Französisch-Reformierten-Gemeinde Jacob Du Fay in der Alten Mainstraße eine neue Kirche im klassizistischen Stil gebaut. Sie ersetzte den bescheidenen Vorgängerbau auf dem alten Kirchhof, auf dem heute das Ehrenmal steht. 1984 erhielt sie den Namen Matthäuskirche.
[ Foto oben: Evangelische Matthäuskirche. Mitte: Brunnen auf dem 1989 neu gestalteten Kirchplatz mit dem Wappen der Du Fays. Unten: Einen eigenen Kirchenbau konnte die katholische Gemeinde im Jahr 1953 weihen, Foto W. Schmitt ]



Mainfähre

Das Herrschaftsgebiet der Grafen von Isenburg lag südlich der Mainlinie. Damit die Isenburger ihren einzigen auf der anderen Mainseite gelegenen Besitz, die Ortschaft Okriftel, erreichen konnten, musste eine gut funktionierende Bootsverbindung geschaffen werden. Aber auch für die Okrifteler war der Fährverkehr in gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht sehr wichtig, da die Kontakte zu den katholischen, kurmainzischen Nachbarorten stark eingeschränkt waren. Ab 1716 ist in Akten eine regelmäßige Fährverbindung nachgewiesen.
[ Foto: Okrifteler Fähre, 1934, Foto Stadtarchiv ]



Wahrzeichen

Die Eiche ist das traditionelle Wahrzeichen von Okriftel. Bis 1929 hatte ein ca. 500 Jahre alt gewordener Eichbaum den Eingang zum alten Ortskern – am heutigen Dalles – geprägt. Das Ortswappen mit dem Eichbaum wurde der Gemeinde aber erst 1938 verliehen.
[ Foto: Alte Eiche am Dalles, um 1920, Foto Stadtarchiv ]



Gründerzeit

Bis ins 19. Jahrhundert war Okriftel, von kleinen Handwerksbetrieben abgesehen, eine landwirtschaftlich geprägte Gemeinde. An der Mündung des Schwarzbaches – der damals noch Goldbach hieß – hatte lediglich ab 1697 ein Mühlenbetrieb, die Bonnemühle, seinen Standort. Mit der Errichtung einer Fettfabrik durch Moses Haas und einer Seifenfabrik durch Marius Lang hielt auch in Okriftel 1873 das Industriezeitalter seinen Einzug. Von entscheidender Prägung des Ortes aber war 1885 die Gründung der Cellulosefabrik am Mainufer. Der Standort war gut gewählt, da die enormen Holzmengen, die zur Produktion gebraucht wurden, günstig mit Flößen und später durch Frachtkähne herbeigeschafft werden konnten. Bereits 1886 übernahm Philipp Offenheimer, der die Produktion stetig steigerte, das Werk. Um die Jahrhundertwende wurde die Papierherstellung und nach dem Ersten Weltkrieg die Spritproduktion eingeführt. 1910 beschäftigte die Fabrik 226 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Philipp Offenheimer galt als Förderer der Gemeinde. Er unterstützte den Bau des ersten Okrifteler Rathauses im Jahr 1930, das mit Bürgermeisterwohnung, Volksbad und Schwesternstation ausgestattet war. Der kleinen jüdischen Gemeinde hatte er auf seinem Firmengelände ein Gebäude als Schule und Beetsaal zur Verfügung gestellt. Im Jahr 1930 übernahm sein Sohn Ernst Offenheimer, nach dem Tod des Vaters, die Firma. 1933 musste er vor den aufkommenden Pogromen der Nationalsozialisten in die Vereinigten Staaten von Amerika emigrieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg erwarb die Phrix AG, Hamburg, das Werk und baute es weiter aus. Gut 1.000 Personen arbeiteten 1961 in diesem Industriebetrieb. Zehn Jahre später kam für Okriftel das Ende der traditionsreichen Papierproduktion.
[ Foto oben:1906 baute der bekannte Darmstädter Architekt Georg Metzendorf im Auftrag von Offenheimer das so genannte Beamtenhaus in den modernen Formen des Jugendstils. Foto Stadtarchiv, um 1903. Unten: Rathaus Okriftel ]



Stadtteil Okriftel

Okriftel war nach dem Zweiten Weltkrieg zur Arbeiterwohnsitzgemeinde geworden. Sozialer Wohnungsbau, Neubauten von Kindergarten, Schule und Sportstätten veränderten das Bild der Ortschaft. 1972 schlossen sich Okriftel, Eddersheim und Hattersheim zur neuen Stadt Hattersheim am Main zusammen. In den späten 70er und den 80er Jahren entwickelte sich der Stadtteil Okriftel zu einem stetig wachsenden, beliebten Wohnort.
[ Foto: Luftbild 90er Jahre, Foto Stadtarchiv ]

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