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| BIOGRAFIE VON ROSA JUNKER (Verlegung der Stolpersteine am 9. November 2010) | |
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Untertorstraße 18 Hattersheim HIER WOHNTE ROSA JUNKER GEB. MARX JG. 1872 VERHAFTET 1943 SAMMELLAGER ÜBERLEBT |
Rosa Junker, geb. Marx (geb. 21.10.1872) kam als Tochter des Metzgermeisters Moses Marx und seiner Frau Elisabetha geb. Schwarz in Wallhausen, Kreis Kreuznach zur Welt. Sie erlernte einen Beruf, den der Köchin, und heiratete für damalige Verhältnisse erst spät, im Alter von 38 Jahren. Ungewöhnlich war auch, dass ihr Ehemann, Josef Junker (geb. 19.3.1881) aus Lohr nicht jüdischen Glaubens war. Eheschließungen zwischen Juden und Nichtjuden bildeten besonders auf dem Land noch eine Ausnahme. Das Paar heiratete am 28. Januar 1911 in Frankfurt und zog kurz darauf nach Hattersheim in die Okrifteler Straße. Josef Junker arbeitete bei den Farbwerken in Höchst, Rosa von nun an als Hausfrau. Als nach 1933 die antijüdischen Diskriminierungen einsetzten war auch Rosa Junker davon betroffen. In Geschäften wurde ihr der Zutritt verweigert, später durfte sie wie alle Juden keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen und unterlag auch sonst vielerlei Beschränkungen. Doch in begrenztem Maße bot die Ehe mit einem nicht jüdischen Mann einen gewissen Schutz. War der Ehemann „Arier“ nach nationalsozialistischer Definition, galt die Ehe als „privilegierte Mischehe“. Die jüdische Ehefrau musste sich nicht wie andere Juden ab 1. September 1941 den Judenstern an die Kleidung heften, sie durfte ihr Vermögen auf den Ehemann übertragen und musste auch nicht ihre Wohnung verlassen, um in ein sogenanntes „Judenhaus“ zu ziehen. Als im Oktober 1941 die Deportationen begannen waren „privilegierte Mischehe“-Partner davon ebenfalls zunächst ausgenommen. Josef Junker berichtete jedoch nach dem Krieg wie sehr seine Frau unter den Sorgen und Aufregungen über das Schicksal ihrer Verwandten und Freunde gelitten hatte. Durch die ständige seelische Belastung waren ihr Herz und ihre Nerven stark angegriffen. Als sie schließlich am 14. Mai 1943 eine Vorladung erhielt sich vier Tage später in der Gestapo-Zentrale in Frankfurt einzufinden, erlitt sie einen vollständigen Nervenzusammenbruch. Da sie zum angegebenen Termin nicht im Gestapo-Gebäude in der Lindenstraße erschien, wurde sie verhaftet und in die Krankenstation der „Bezirksstelle der Reichsvereinigung der Juden“ im Hermesweg in Frankfurt eingeliefert. Das Gebäude im Hermesweg 5-7, ursprünglich Israelitische Religionsschule und Synagoge, war zu diesem Zeitpunkt „Gemeinschaftslager“, Sammellager für Deportationen. Das Haus stand unter ständiger Überwachung und Tyrannei der Gestapo. Der dort verantwortliche Beamte Ernst Holland war für seine Grausamkeit und Brutalität bekannt. Was Rosa Junker dort miterleben musste lässt sich nur erahnen. Unter diesen Umständen verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand noch weiter, so dass sie schließlich nicht mehr vom Bett aufstehen konnte. Da sie nicht transportfähig war, musste sie von den Deportationen der verbliebenen Insassen des Hermeswegs zurückgestellt werden. Trotzdem scheint es ein Wunder, dass sie am 28. Juli 1943 auf Fürsprache des im Hermesweg tätigen jüdischen Arztes nach Hause entlassen wurde. Ihr Ehemann holte sie nach Haus, seelisch und körperlich völlig zusammengebrochen. Sie blieb von den Erlebnissen gezeichnet, litt unter Herzmuskelschwäche und konnte keiner Tätigkeit im Haushalt mehr nachgehen. Ihr Todesdatum ist der 15. Juni 1960. |
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