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| BIOGRAFIE DER FAMILIE NASSAUER (Verlegung der Stolpersteine am 9. September) | |
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Mainzer Landstraße 52 Hattersheim HIER WOHNTE LUDWIG NASSAUER JG.1878 VERHAFTET 11.11.1938 BUCHENWALD FLUCHT 1939 SCHWEIZ 1941 USA ÜBERLEBT HIER WOHNTE ELISABETH NASSAUER GEB. LÖB JG.1883 FLUCHT 1940 SCHWEIZ 1941 USA ÜBERLEBT HIER WOHNTE IRMA SIMON GEB. NASSAUER JG.1915 FLUCHT USA ÜBERLEBT |
Ludwig Nassauer (geb. 9.10.1878) war gebürtiger Hattersheimer. Zusammen mit seiner Ehefrau Elisabeth, geb. Loeb (geb. 4.9.1883) war er Inhaber einer kleinen Metzgerei in seinem Haus in der Mainzer Landstraße. Elisabeth Nassauer war vor ihrer Heirat bereits als Verkäuferin berufstätig gewesen. So fand sie schnell in ihre neue Rolle im Familienunternehmen und führte den Verkauf bald selbstständig, während ihr Mann den Metzgereibetrieb versah. Die Tochter Irma Nassauer (geb. 15.4.1915) lebte bis Ende der 30er Jahre im Elternhaus und half vermutlich ebenfalls im Geschäft mit. Inwieweit sich die antijüdische Hetze der Nationalsozialisten in den ersten Jahren des Dritten Reiches auf die Familie auswirkte, ist heute aus den Quellen nicht mehr zu entnehmen. Doch sicher ist, dass sich mit dem Novemberpogrom 1938 ihr Leben schlagartig und für immer änderte. Am späten Abend des 10. Novembers überfiel ein aufgebrachter Mob laut Recherchen des Nachkriegsbürgermeisters angeführt von einem Okrifteler SA-Mann die Wohnung und das Geschäft der Nassauers. Das Kühlhaus wurde aufgebrochen und das Fleisch auf die Straße geworfen, die Wohnungseinrichtung zertrümmert, Teppiche zerschnitten, Wertsachen wie Silber, Pelze, Goldene Uhren und Schmuckstücke geraubt. Ludwig Nassauer wurde verhaftet und im Rahmen der so genannten „Judenaktion“ in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert. Die von der Gestapo systematisch geplante Verhaftungsaktion jüdischer Männer hatte vor allem den Zweck, die Betroffenen und ihre Familien zum Verkauf ihres Besitzes und zur schnelleren Auswanderung zu erpressen. So wurde die Entlassung aus dem Konzentrationslager meist an die Bedingung geknüpft Deutschland innerhalb einer bestimmten Frist zu verlassen. Auch Ludwig Nassauer musste sich zur sofortigen Ausreise verpflichten, um am 8. Dezember 1938 entlassen zu werden. Ein schwieriges Unterfangen, denn durch den erhöhten Auswanderungsdruck gab es immer weniger Länder, die bereit waren Flüchtlinge aufzunehmen. Nassauers hatten das Glück, dass ein Freund in der Schweiz bereit und in der Lage war, für sie zu bürgen und die Kosten ihres Aufenthaltes auszulegen. Während Ludwig Nassauer sich schnellstmöglich nach Basel abmeldete, zog Elisabeth Nassauer zunächst nach Frankfurt und organisierte von dort den Verkauf des Hattersheimer Hauses, dem Familiensitz der Nassauers seit dem 19. Jahrhundert. Im Februar 1940 folgte sie ihrem Mann nach Basel. Als Flüchtling ohne Arbeitserlaubnis, angewiesen auf die finanzielle Hilfe des Freundes warteten sie dort, ob ihre Hoffnung, in die USA auswandern zu können, sich erfüllen würde. Im April 1941 waren ihre Bemühungen schließlich von Erfolg gekrönt und am 8. Mai 1941 brachte die „Ciudad de Sevilla“ sie in ihre neue Heimat. Ludwig Nassauer starb 8 Jahre später am 1.10.1949 in New York. Elisabeth Nassauer überlebte ihren Mann um beinahe 20 Jahre. Am Ende ihres Lebens wohnte sie in ärmlichen Verhältnissen und kämpfte lange um die Bewilligung einer Rente. Man sah ihre Tätigkeit im verlorenen Familienbetrieb nicht als rentenwürdig an, da es sich nur um die pflichtgemäße Mithilfe als Ehefrau gehandelt habe. Schließlich wurde ihr auf dem Vergleichswege eine kleine Rente von 100,- DM zugestanden. Elisabeth Nassauer starb am 23.12.1968 in New York. |
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