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| BIOGRAFIE DER FAMILIE SCHWARZ (Verlegung der Stolpersteine am 9. November 2010) | |
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Neugasse 10 Okriftel HIER WOHNTE JOHANNA SCHWARZ GEB. ESKELES JG. 1879 DEPORTIERT 1941 MINSK ??? HIER WOHNTE ADOLF SCHWARZ JG. 1872 GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET FLUCHT IN DEN TOD 9.1.1939 HIER WOHNTE SELMA GOTTHILF GEB. SCHWARZ JG. 1900 DEPORTIERT 1941 MINSK ??? HIER WOHNTE WALLY LÖWENBERG JG. 1922 DEPORTIERT 1941 MINSK ???
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Adolf Schwarz (geb. 3.3.1872) kam aus Merenberg nach Okriftel und heiratete dort am 19. Juni 1899 die aus Kelsterbach stammende Johanna Eskeles. Sie führten ein bescheidenes Leben als Altmetallhändler und Hausiererin. Im Jahr nach der Hochzeit kam ihre Tochter Selma (geb. 2.4.1900) zur Welt. Mit zwanzig Jahren heiratete sie den 15 Jahre älteren Arbeiter Willi Löwenberg (geb. 8.6.1885) aus Weilburg. Ihre gemeinsame Tochter Wally (geb. 30.9.1922) wurde zwei Jahre später in Gießen geboren. Nur kurze Zeit später verstarb Selmas Ehemann und im Oktober 1924 kehrte sie mit ihrer kleinen Tochter zu ihren Eltern zurück. Wally Löwenberg wuchs in Okriftel auf, besuchte die Schule und war Mitglied m Okrifteler Turnverein wie sich Zeitzeugen noch 80 Jahre später erinnerten. Im Dezember 1936 zogen sie und ihre Mutter nach Frankfurt wo Selma Löwenberg 1937 ein zweites Mal heiratete. Ihr zweiter Ehemann, der Kaufmann Eduard Gotthilf, hatte in Gelnhausen eine Mehl- und Getreidehandlung betrieben, die er bereits 1933 aufgrund der Boykotte aufgeben musste. Die Eltern blieben in Okriftel zurück, in dem Ort, der ihnen zur Heimat geworden war und in dem sie so sehr zu Originalen geworden waren, dass sich Zeitzeugen noch Jahrzehnte später an sie erinnerten. Angesichts der immer schwieriger werdenden Lebensumstände glaubten sie vermutlich in ihrem eigenen Haus am sichersten zu sein. Die schrecklichen Ereignisse der Pogromnacht am 10. November 1938, der sogenannten „Kristallnacht“ sollten zeigen dass sie irrten. Nachdem der Nazimob gewütet hatte, war nicht nur ihre Wohnungseinrichtung vollständig demoliert, sondern auch das Dach ihres Hauses großflächig eingerissen. Zeitzeugen berichteten später auch von tätlichen Angriffen auf Adolf Schwarz. Unter welchen Umständen und wann genau das Ehepaar Schwarz Okriftel verließ, ist nicht mehr zu rekonstruieren. Zeitzeugen sahen sie zuletzt am Hattersheimer Bahnhof. Da ihr Haus nach dem Pogrom unbewohnbar war, zogen sie vermutlich unmittelbar danach zu Tochter und Schwiegersohn nach Frankfurt. Adolf Schwarz ist an der Ausweglosigkeit der Situation verzweifelt. Er nahm sich am 9. Januar 1939 in Frankfurt das Leben. Später musste die Familie ihre Wohnung in Frankfurt zwangsweise verlassen und in eine Sammelunterkunft in der Fichtestraße 18 umziehen. Diese Maßnahme war bereits Teil der Vorbereitung eines reibungslosen Ablaufs der geplanten Deportationen. Schon bei der zweiten Großdeportation aus Frankfurt am 11. November 1941 verschleppte man auch das Ehepaar Gotthilf, Selmas Tochter Wally Löwenberg und Johanna Schwarz in das Sonderghetto von Minsk. Ihre Namen auf der Deportationsliste sind die letzte Spur ihres Lebens. |
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