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| BIOGRAFIE DER FAMILIE WEIL (Verlegung der Stolpersteine am 9. September) | |
Neugasse 6 Okriftel HIER WOHNTE LUDWIG WEIL JG.1887 FLUCHT 1938 USA ÜBERLEBT HIER WOHNTE SIDONIE WEIL GEB. SCHUSTER JG.1890 FLUCHT 1938 USA ÜBERLEBT HIER WOHNTE JOSEF WEIL JG.1914 FLUCHT 1937 USA ÜBERLEBT HIER WOHNTE LOTHAR WEIL JG.1916 FLUCHT 1937 USA ÜBERLEBT HIER WOHNTE LUCIE KORNSAND GEB. WEIL JG.1913 FLUCHT 1937 USA ÜBERLEBT HIER WOHNTE SIEGBERT WEIL JG.1918 FLUCHT 1938 USA ÜBERLEBT HIER WOHNTE KAROLINE WEIL JG.1853 TOT 6.10.1934 |
Ludwig Weil (geb. 22.6.1887) betrieb in seiner Geburtsstadt Okriftel einen gut gehenden Viehhandel. Sein Vater Jakob Weil hatte mit 25 Jahren das Unternehmen 1868 als Handel von Zucht- und Schlachtvieh mit Metzgerei gegründet und war damit so erfolgreich gewesen, dass er das Geschäft zwischen seinen Söhnen aufteilen konnte. Moritz Weil übernahm die Metzgerei und Ludwig Weil führte ab 1911 den Viehhandel weiter. Er heiratete Sidonie Schuster aus Obersemen (geb. 26.7.1890) und das Paar bekam vier Kinder: Lucie (geb. 27.2.1913), Josef (geb. 14.7.1914), Lothar (geb. 17.4.1916) und Sali Siegbert (geb. 14.3.1918). Die Söhne besuchten nach der Volksschule in Okriftel in Frankfurt das Philanthropin bis zur Untersekundarreife und erhielten danach eine kaufmännische Ausbildung. Josef Weil ging bei der Firma Heinrich Wertheimer in die Lehre und wurde danach aufgrund seiner sehr positiven Beurteilung als kaufmännischer Angestellter übernommen. Lothar Weil arbeitete ab seinem 17. Lebensjahr ständig im Familienbetrieb und bereitete sich darauf vor, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Der Erfolg des Unternehmens gründete vor allem auf dem guten Ruf, den die Weils bei ihrer Kundschaft hatten. Ludwig Weil war besonders stolz darauf, dass dieses Vertrauen seiner Kunden ihm zunächst auch nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten weiter ein Auskommen sicherte. Doch bis zum Jahr 1937 machte sich der ständig zunehmende Druck aus antijüdischer Propaganda und Einschüchterung schließlich auch in den Umsätzen bemerkbar. So entschloss sich die Familie Weil zur Emigration. Zunächst schickte Ludwig Weil seine beiden älteren Söhne im Februar 1937 in die USA. Die Tochter Lucie hatte 1935 den Kaufmann Heinrich Kornsand geheiratet und war in dessen Heimatort Leeheim gezogen, wo sie das kleine Warenhaus seiner Eltern betreiben wollten. Doch sie mussten angesichts der Boykottmaßnahmen bereits 1936 aufgeben. Heinrich Kornsand suchte sich in Frankfurt vorübergehend eine Stellung, aber im November 1937 wanderte das Paar ebenfalls in die USA aus. Im Juni 1938 ermöglichte Ludwig Weil auch seinem jüngsten Sohn die Überfahrt in die USA und im Herbst desselben Jahres folgte er mit seiner Frau seinen Kindern nach. Sie ließen sich zunächst in Erie, in Pennsylvania nieder. Ludwig Weil musste nun mit 51 Jahren für einen kargen Lohn in einem Schlachthaus arbeiten. Bald versuchte er sich wieder mit einem kleinen Viehhandel selbstständig zu machen, was aber nur für einige Jahre einen bescheidenen Lebensunterhalt sicherte. Als das Geschäft zurückging übersiedelte er nach Cleveland, Ohio, in die Nähe seiner Tochter, doch eine neue Arbeit konnte er aufgrund seines Alters nicht mehr finden. |
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