Stolpersteine in Hattersheim am Main

Bei der Verlegung von Stolpersteinen handelt es sich um ein Projekt, das die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung von Juden, politisch Verfolgten, von Homosexuellen, von Zeugen Jehovas und von Euthanasieopfern im Nationalsozialismus lebendig hält, so der Künstler Gunter Demnig.

Seit dem Jahr 2000 wurde das Projekt bereits in mehr als 1.100 Orten mit über 46.000 Stolpersteinen realisiert. Das Kunstprojekt ist nicht nur in Deutschland zu einer anerkannten Form des Gedenkens gew
orden, auch in Österreich, Belgien, Frankreich, Italien, Kroatien, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Russland, der Schweiz, der Slowakei, der Tschechischen Republik, Slowenien, der Ukraine, Rumänien und Ungarn wurden Stolpersteine verlegt.

In Hattersheim am Main konnten
Historikerin Anna Schmidt und Stadtarchivar Wilfried Schwarz (†) bisher die Namen von 86 Opfern aus Hattersheim, Okriftel und Eddersheim ausfindig machen. 70 davon waren Juden, 12 Sinti und Roma. Vier waren politische Opfer des Nationalsozialismus. Für 78 von ihnen sind in den Jahren 2010 bis 2013 Stolpersteine verlegt worden. Viele interessierte Bürgerinnen und Bürger haben die Zeremonien begleitet. Alt-Bürgermeister Hans Franssen, Bürgermeisterin Antje Köster und Mitglieder der AG Opfergedenken waren sich einig, dass dabei besonders das Engagement der Heinrich-Böll-Schule hervorzuheben sei. Dadurch, dass sich jungen Menschen aktiv an dem Projekt beteiligten, werde über die Erinnerung an die Opfer hinaus eine kritische Auseinandersetzung mit Unrecht und Gewaltherrschaft möglich. Die AG-Mitglieder hoffen, dass sich diese Erfahrungen nachhaltig auf die kulturelle Identität der Jugendlichen auswirken.

Im Jahr 2015 wurden weitere 3 Stolpersteine für Hattersheimer Euthanasieopfer verlegt.

Die Biografien aller Opferfamilien werden wir bis Ende Juni 2017 auf dieser Seite veröffentlichen.

...man müßte einer späteren Generation Bericht geben und Karte der Erinnerung

Buchprojekt "...man müßte einer späteren Generation Bericht geben"

In einer Gemeinschaftsveranstaltung von Heinrich-Böll-Schule und Stadt Hattersheim wurde am 8. Mai 2014 das Buch „…man müßte einer späteren Generation Bericht geben“ der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Idee zu dem Buch hatten die Mitglieder der städtischen AG Opfergedenken, die schon sehr früh entschieden hatten, dass die Biografien der Opfer, für die Stolpersteine verlegt wurden, nicht nur im Internet, sondern auch in einem Druckwerk nachzulesen sein sollten. Gleichzeitig wurde in der Heinrich-Böll-Schule überlegt, die Projekte zur Erinnerungsarbeit in Hattersheim, die gemeinsam mit der Stadt Hattersheim durchgeführt wurden, nachträglich zu dokumentieren. Diese beiden Vorhaben wurden dann verknüpft und zu einem Gemeinschaftsprojekt von Schule, Förderverein, KulturForum und Stadt gemacht.

Karte der Erinnerung

Gemeinsam mit der Präsentation des Buches wurde die „Karte der Erinnerung“ im Treppenhaus des Oberstufengebäudes der Heinrich-Böll-Schule enthüllt, die im Rahmen einer Malaktion Ende März 2014 durch 18 Schülerinnen und Schüler des Kunst-Leistungskurses der Stufe Q4 (Abiturienten) entstand.

Das Wandgemälde mit dem Titel „Frieden, Toleranz, Menschlichkeit - Orte der Erinnerung“ verweist auf die letzten Wohnorte von 93 Opfern des NS-Regimes in Hattersheim am Main. Genannt sind die Namen von 75 jüdischen Opfern sowie drei politisch Verfolgten. Erinnert wird auch an drei Euthanasieopfer und an elf Mitglieder der Sinti-Familie Adam/Keck, deren letzter Wohnort in der Ellenbogengasse Okriftel markiert ist.

Ein Großteil der Kosten wurde über Spenden und Sponsoren finanziert. Dafür auch an dieser Stelle unser herzliches Dankeschön.

Das Buch können Interessierte über die Stadt Hattersheim am Main, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Im Nassauer Hof 1 - 3, 65795 Hattersheim am Main, beziehen. Auch eine telefonische Bestellung unter der Rufnummer 06190 970-103 (Frau Ashour) oder per E-Mail unter hanna.ashour@hattersheim.de ist natürlich möglich.